1936-1945

Die Unda Radio ist nunmehr eine renommierte Firma, sowohl wegen der hohen Qualität ihrer Produkte, der großen Genauigkeit bei der Fertigung, als auch wegen ihrer Seriosität. Diesbezüglich kann man in einem der vielen Beiträge, welche die Zeitschrift „Radio Industria“ dem Hause widmet, nachlesen:“ … so dass die Unda-Geräte auf dem Markt scherzhaft super super bezeichnet werden, um ihre Überlegenheit herauszustreichen. Eine Bestätigung, dass die Firma seit langem mit seriösen Grundsätzen in Produktion und Verkauf geführt wird.“
Auf der neunten nationalen Radioausstellung („IX. Mostra Nazionale della Radio“) stellt die Unda die neue Serie „Super Quadri Unda“ und das „Gerät für das Volk“ Radio Balilla vor, das als zweiter Rundfunkempfänger auf Initiative der „Ente Radio Rurale“ und unter Aufsicht des Kommunikationsministeriums gebaut wurde. Dieses Gerät sollte den ehrgeizigen Plänen der faschistischen Partei unter dem Slogan „ein Volksgerät für alle“ nachkommen. Während das „Radiorurale“ für die Schulen, für die Frontkämpfervereine, für die Pfarreien, für die Arbeiterfreizeiteinrichtungen, für die Gewerkschaften der Landarbeiter und für manche öffentlichen Anstalten bestimmt war, sollte Radio Balilla in jedem Haushalt vorhanden sein. Auch im Falle von Radio Balilla wurde ein Wettbewerb ausgeschrieben, um die Kriterien für den Gerätetyp festzulegen. Am Wettbewerb beteiligten sich 16 Firmen. Als die charakteristischen Eigenschaften und das Aussehen des Gerätes festgelegt waren, wurde aus rund vierzig vorgestellten Projekten ausgewählt und die Produktion an sieben Firmen vergeben, darunter auch an die Unda Radio.
1937 wird die Unda Radio in eine Anonyme Gesellschaft umgewandelt und das Kapital auf 1.200.000 Lire aufgestockt. In der Zwischenzeit war die Belegschaft im Toblacher Werk auf zirka 200 spezialisierte Arbeiter angewachsen, die großteils in Toblach und Umgebung wohnten. Auf diese Weise war der Betrieb auch zu einem wichtigen Bezugspunkt für das Wirtschafts- und Sozialleben des Pustertales geworden. Es wurde auch eine Tischlerei zur Möbelherstellung eingerichtet, um der Firma größere Unabhängigkeit zu gewährleisten. Im Bereich des professionellen Rundfunkwesens plante und baute die Unda Radio auch Funkgeräte für die Verbindung zwischen Schutzhütten und Stationen im Tal. Viele dieser Geräte wurden in den Schutzhütten der Dolomiten aufgestellt, wo sie auch zur Wetterwarnung für die königliche Luftwaffe („Regia Aeronautica“) eingesetzt wurden.
In den ersten Monaten des Jahres 1939 wurden die Geräte der neuen Serie „Sex Unda“geplant und gebaut. Ein weiteres Ziel des Toblacher Hauses, das ein erstklassiges Rundfunkgerät herstellen wollte, das dank seiner ausgefeilten Technik alle Ansprüche eines guten Empfangs bei jeder Witterung erfüllen sollte. Die Serie umfasste folgende Modelle: 761, Rundfunkempfänger mit sieben Röhren (EF8 – 6L7G – 6C5G – 6Q7G – EBF2 – 6L6G – 80) mit einer Endleistung von 7 Watt; das Modell 762 als Version Radio mit Plattenspieler in der Konsole des vorhergehenden Modells und das Modell 961, ein großartiges Radio mit Plattenspieler in der Konsole mit neun Röhren, mit der gleichen Charakteristik wie das Modell 761, aber mit zwei Endröhren 6L6G und einem riesigen Lautsprecher ausgestattet (320 mm Durchmesser), mit einer Endleistung von 16 Watt. Die gesamte Serie empfängt auf sechs Frequenzbereichen (LW, MW, und 4 KW) und hatte eine automatische Vorauswahl mit zehn Tasten, hergestellt mit einem mechanischen System hoher Präzision. Dieses System ermöglicht es, zehn Radiosender im Mittelwellenbereich nach Belieben einzustellen. Die Vorrichtung zum automatischen Feineinstellen ist mit dem Mechanismus zum manuellen Einstellen zusammengeschaltet, der sich über eine elektromagnetische Koppelung ein- oder ausschaltet. Außerdem unterbricht ein eigener Stromkreis den Empfang während der automatischen Einstellung. Ein weiterer sorgt dafür, dass die Abstimmung sehr leise vor sich geht. Diese wertvollen Geräte werden wie gewohnt zu einem konkurrenzfähigen Preis angeboten. So wird das Modell 961 um 5.400 Lire angeboten, während ein ähnliches Gerät, z. B. das Modell 1010 von Phonola um 7.200 verkauft wird. Die Unda Radio rühmt sich in dieser Zeit, unter anderem anlässlich einer Audienz für den Verwaltungsdirektor der Gesellschaft, dem „Duce“ ein Exemplar vom Modell Sex Unda 761 geschenkt zu haben.
Im Frühjahr 1940 übersiedelt die Unda Radio nach Como in die Mentanastraße 20, infolge des deutsch-italienischen Abkommens vom 23. Juni 1939, unterschrieben in Berlin am Kommandohauptsitz der SS, in dem die Übersiedlung der Südtiroler ins Deutsche Reich geregelt wird. Dieses Optionsabkommen gab den Südtirolern die Möglichkeit, innerhalb 31. Dezember 1939 sich zu entscheiden, entweder im faschistischen Italien zu bleiben und sich dem Duce zur Treue zu verpflichten, oder ins nationalsozialistische Deutsche Reich zu übersiedeln.
Die Unda Radio optierte für Italien und für die Übersiedelung nach Como, die Geburtsstadt von Alessandro Volta, auch weil es durch die Option für das Deutsche Reich an Personal mangelte.
Trotz der schwierigen allgemeinen Lage (wir erinnern daran, dass der Duce am 10. Juni 1940 vom Balkon des Palazzo Venezia den Kriegseintritt Italiens verkündete), dem beschwerlichen Umzug und der Anwerbung neuer Arbeiter, wurde am 14. Dezember desselben Jahres in Anwesenheit der Behördenvertreter, wichtiger Persönlichkeiten der Stadt Como, hoher faschistischer Funktionäre, der Lokalpresse und der Fachpresse, das neue Betriebsgebäude offiziell seiner Bestimmung übergeben. Bei dieser Gelegenheit konnten die anwesenden Behördenvertreter und Persönlichkeiten unter der Führung von Max Glauber, der Brüder Amonn und Theddy Mohwinckel die verschiedenen Abteilungen besichtigen und so die verschiedenen Arbeitsabläufe von der Planung über die Montage und die Anpassung bis zur Endkontrolle mitverfolgen. Im neuen Betrieb wurden unter der Aufsicht von Herrn Glauber eine Mensa und eine Arbeiterfreizeiteinrichtung geschaffen.
Am Tag der Einweihung bekam Frau Glauber, die als Patin für das Fest fungierte, einen Strauß Orchideen von einer Arbeiterin geschenkt.
Die Unda Radio bezog ein altes Gebäude aus dem Ende des 19. Jahrhunderts., das für einen Samthersteller gebaut worden war. Nach dessen Konkurs wurde das Gebäude von Herrn Giampietro Dell’Oca erworben, der es an die Unda weitervermietete. Etwas später wurde das Gesellschaftskapital erneut aufgestockt und betrug nun 2.900.000 Lire.
Zur gleichen Zeit brachte die Ente Radio Rurale anlässlich der im September 1939 abgehaltenen neunten nationalen Radioausstellung („IX. Mostra Nazionale della Radio“) das Modell „Radio Roma“ auf den Markt, es handelte sich um den neuen Volksempfänger, der das „Radio Balilla“ ersetzte. Die Unda produzierte das „Radio Roma“ nie und nahm auch nicht am Wettbewerb teil, um das Modell festzulegen.
Auf der zwölften nationalen Radioausstellung („XII. Mostra Nazionale della Radio“), die vom 9. bis zum 22. September 1940 stattfand, lief bei der Unda die Produktion schon voll, so stellte sie schon die fünf Modelle 541, 534, 542, 544, und 545 der Serie „Quadri Unda“ vor sowie weitere fünf Modelle der Serie „Sex Unda“: 761, 762, 763, 764 und 961.
Auf der 13. nationalen Radioausstellung („XIII. Mostra Nazionale della Radio“) im Jahre 1941 – es handelte sich um die letzte Ausgabe dieser wichtigen Ausstellung während des 2. Weltkrieges, die während der restlichen Kriegsjahre unterbrochen wurde –, präsentiert die Unda zum ersten Mal drei Modelle der neuen Serie „Penta Unda“ und zwar die Modelle 651, 652 und 653. Die beiden ersten sind Geräte mit sechs Röhren (6A8 – 6K7- 6K7 – 6Q7 – 6V6 – 5Y3), die sich nur durch das Gehäuse unterscheiden, das Modell 653 hingegen ist das entsprechende Radio mit Plattenspieler, montiert in einer Konsole.
Ab diesem Moment wurde die Herstellung von Zivilfunkempfängern lahmgelegt und man verlegte sich auf die Produktion von Militärgeräten und zwar: die Station RB 30, eine Funkanlage, die in italienischen Jagdflugzeugen montiert wurde, gefolgt von der Anlage RB 30 T bis. Beide wurden von Allocchio Bacchini geplant, aber mit einigen Änderungen auch von Unda Radio hergestellt, sowie auch Geräte für die Marine wie der Empfänger RR2 und der Sendeapparat TPR 20, die anfangs von Marelli geplant und hergestellt wurden.
Im Jahre 1943 wurde über einen Bericht in der Zeitschrift Radio Industria Nr. 101 und 102 bekannt gegeben, dass die Unda die Produktion von Messgeräten nach Entwürfen von Dr. Fausto Bruno startete. Es handelte sich um einen Oszillographen, bezeichnet als F. 125 und ein Wellenmessgerät mit der Bezeichnung F. 122. Dabei bezieht sich der Buchstabe F auf den Namen des Planers Fausto. Trotz des Krieges wird im Jahr 1944 das Modell „Tri Unda“ 53/4 hergestellt und 1945 werden zwei Verstärker, das Modell P. 5/1 mit einer Endleistung von 35 Watt und das tragbare Modell P.5/2 mit einer mittleren Leistung von 15 Watt gebaut. Noch im selben Jahr 1945 wird das erste Modell der Serie „Octa Unda“ vorgestellt: 98/1 Superhet mit neun Röhren, geeignet zum Empfang von acht Frequenzbereichen (LW, MW, 6 KW und UKW), außerdem das Modell „Quadri Unda“ 54/1, Superhet mit fünf Röhren (ECH4 – 6K7G – 6Q7G – 6V6G – 5Y3G) für den Empfang von MW und 3 KW-Bereichen.

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1936-1945 Styling und Konsum

In Amerika wird die Krise der 29er Jahre mit der Erfindung des Styling überwunden, dem Charakterisieren des Objektes über einen besonderen sich von Jahr zu Jahr ändernden Stil. Es entsteht dadurch der Konsumismus als Modell der kapitalistischen wirtschaftlichen Entwicklung. Die Welt des Design, welche Styling und Konsumismus grundsätzlich ablehnt, sucht weiterhin nach der Form in den Materialien. Objekte wie das Telefon, die Rechenmaschine und das Auto finden zu ihrer eigenen Form.

Radio und Design

Mit dem Ziel der besseren Verbreitung von politischer Propaganda und Regimeideologie fördern die Regierenden jener Zeit die Herstellung und die Verteilung von Radioempfangsgeräten, die alsbald zu „Volkspreisen“ angeboten werden und eindeutige ästhetische Bezüge zur Regimesymbolik aufweisen. Das in Serienproduktion hergestellte Radiogerät wird noch kompakter und geht von einer Form mit vertikalem Aufbau über zu einer gemischten Struktur. Es erscheint die „sprechende Skala“, ein Abstimmungsanzeiger mit Ausgabe des Namens der Sendestation, anstelle einer für die Geräte der vorangegangenen Ära typischen, rein numerischen Anzeige.

Unda Produktion 1936-1945