Geschichte des Fernsehens

Kurze Geschichte des Fensehens

von Mosè Battocchio – Übersetzung von Herta Puff

Die ersten Anstrengungen und Versuche der Bildübermittlung reichen in das Jahr 1850 zurück, doch müssen noch viele Jahre vergehen, bevor eine Struktur entstehen kann, die das Senden und Empfangen von bewegten Bildern tatsächlich möglich macht. Ein erster wichtiger Schritt in diese Richtung wurde vom Deutschen Paul Nipkow getan, der eine drehende Scheibe mit einer Reihe spiralförmig angeordneter Löcher zur Aufnahme von Bildern benutzte. Letztendlich muss allerdings doch auf die Entwicklung des Radios, bzw. auf die Erfindung der Elektronenröhre gewartet werden, bevor die Idee des Fernsehens konkrete Gestalt annehmen kann.</br><br>Nach den ersten Erfahrungen des Engländers Baird, präsentierte Ing. Alessandro Banfi im Jahre 1926 am Sitz des Italienischen Elektrotechnikverbandes (Associazione Elettrotecnica Italiana) in Mailand sein Fernsehsystem, wobei er dies als Mehrkanalsystem bezeichnete. Das System Banfi wurde 1929 von der EIAR, in der Banfi als Verantwortlicher der neugegründeten Fernsehabteilung tätig war, vervollständigt. Im Anschluss daran wurde in Mailand und Turin eine erste Fernsehanlage errichtet. Im Jahre 1931, immer noch in der Versuchsphase, wurde eine weitere Anlage im Gebäude der EIAR in Rom installiert, die den vorangegangenen Anlagen ähnlich war, doch bereits wesentliche Verbesserungen aufwies.</br><br>Die Versuchsphase dauerte an und der Ort des Geschehens verlagerte sich in den Jahren 1933 und ’34 von Rom wieder zurück nach Turin, bis die EIAR schließlich 1938 – nach der Errichtung des eindrucksvollen Radiocenters von Prato Smeraldo in Rom, von wo aus die Stimme des Duce über das ganze Reich hallte –, am Monte Mario die erste Fernsehstation Italiens in Betrieb nahm.</br><br>In der Zwischenzeit verfolgte die italienische Industrie die Entwicklung mit großem Interesse. Die Firma Safar ist die erste, die bereits 1930 unter der Leitung von Ing. Arturo Castellani mit der industriellen Fertigung von Fernsehgeräten beginnt und diese auf der nationalen Funkausstellung in Mailand auch dem Publikum vorführt. Das Gerät verwendete die sogenannte Nipkow-Scheibe. Anzumerken ist hierbei, dass bereits 1932-33 die ersten Fernsehrgeräte als Montagekit Verbreitung fanden, so zum Beispiel die Produkte der Fracaro Radio Industria aus Castelfranco Veneto.</br><br>Die entsprechend umgebaute Nipkow-Scheibe findet bis 1933 Verwendung, als die Firma Safar zum ersten Mal eine Kathodenstrahlröhre mit elektrostatischer Ablenkung einsetzt. Eine weitere große Firma, die als Pionier auf dem Gebiet der Fernsehübertragung gelten kann, ist F.I. Magneti Marelli. Bereits seit 1933 in diesem Bereich tätig, errichtet sie im Jahre 1939 in Mailand auf dem Littoria-Turm eine Sendestation, ähnlich jener, wie sie von Safar in Rom auf dem Monte Mario erbaut wurde.</br><br>In den Jahren 1940-45 sucht der Zweite Weltkrieg Europa heim und die Elektronik- und Telekommunikationsindustrie wird vom Rüstungssektor mit zahlreichen Aufträgen und Anforderungen stark unter Druck gesetzt, wodurch letztlich beeindruckende Fortschritte auf diesem Gebiet erzielt werden. Mikrowellen, Radar, Radiobrücken, um nur einige Beispiele zu nennen.</br><br>Die Jahre des Wiederaufbaus gestalten sich besonders schwierig und viele Betriebe stehen nach dem Wegfall der kriegsbedingten Aufträge am Rande des Ruins. Die EIAR wird zur RAI und im Jahre 1952 folgt der Bau der zweiten Fernsehsendestation in Mailand. Die Aufnahmestudios befinden sich am Sitz der RAI in der Sempione-Straße und die Sendeantenne auf dem ehemaligen Littora-Turm. In den Jahren 1952 bis 1958 wird eine Reihe von Radiobrücken eingerichtet, die über insgesamt 21 Abschnitte ganz Italien von Turin bis Palermo miteinander verbinden.</br><br>Am 3. Januar 1954 berichten die Tageszeitungen über die Taufe des Fernsehens in Mailand «…: von großer Bedeutung für das italienische Fernsehen, genau das Datum der offiziellen Geburtsstunde, das in das große ideelle Register – eine Art Fortschrittsverzeichnis – Eingang findet, welches die Menschheit für alle neuen Errungenschaften erdacht hat, welche die Etappen auf dem unaufhaltsamen Weg zu immer höheren Zielen der modernen Zivilisation markieren […] jene Erfindung, welche als „Heimtheater“ oder besser noch als „Feuerstelle des zwanzigsten Jahrhunderts“ bezeichnet worden ist. » (Radio Industria, Nr. 117, Sonderausgabe).</br><br>Die Übertragungen in Farbe beginnen 24 Jahre später, im Jahre 1978. Es zeigt sich, dass wir in einer Epoche unglaublichen Fortschritts leben, einer Epoche, die Tag um Tag neue, bisher kaum vorstellbare Grenzen erreicht, die uns immer wieder in Staunen versetzen und fast immer unvorbereitet antreffen. Große Möglichkeiten, doch auch großes Unbehagen gehen damit einher. Diese Seite bietet den großen Vorteil, uns zum Nachdenken anzuregen, einen Moment zu verharren, um die Vergangenheit aufzusuchen, um sie in unserer Erinnerung festzuhalten, um sie mit und in uns zu tragen, damit sie uns helfen möge, unsere Zukunft zu gestalten.

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